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Die SP Stadt Solothurn
macht Politik für die
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Für alle statt für wenige!

Vorstösse Legislatur 2017 - 2021

Motion: Freier 8. März – Gleichstellung jetzt!

Den weiblichen Angestellten der Einwohnergemeinde Solothurn (EGS) ist der 8. März ab sofort frei zu geben, bis aufgezeigt ist, dass es keine geschlechtsbedingten Lohnunterschiede mehr gibt zwischen den Löhnen der weiblichen und männlichen Angestellten der Einwohnergemeinde Solothurn (EGS). Mit dem bezahlten freien Arbeitstag am internationalen Tag der Frau* soll die Lohnungleichheit aufgezeigt und ein wenig Gleichheit zurückgegeben werden.

Begründung:
Frauen* verdienen nicht symbolisch weniger, sondern sehr real. Sie verdienen nach wie vor auf Grund des Geschlechts weniger als Männer*.
Dieser geforderte Tag soll die Ungerechtigkeit bewusster machen und die Stadt Solothurn (EGS) so als Arbeitgeberin und öffentliche Hand in eine Vorbildrolle lenken. Dies soll zu mehr Sensibilisierung in der ganzen Gemeinde führen, d.h. Unternehmen inspirieren, in diesen Belangen mitzuziehen.
Bei den Gemeinden, welche eine Lohnanalyse durchführten, zeigte sich im Durchschnitt ein geschlechtsbedingter Lohnunterschied von 6.8%.1 Das entspricht etwa 2 Wochen mehr Arbeit für den selben Lohn. In der Stadt Bern beträgt der unerklärbare Lohnunterschied beispielsweise 1.8%2. D.h. Frauen* arbeiten sozusagen 3 Tage gratis.

Für die Stadt Solothurn gibt es keine Erhebung der Lohnungleichheit bei ihren Angestellten. Dies sollte uns aber nicht daran hindern, Lohnungleichheit beseitigen zu wollen.

Im öffentlichen Sektor beträgt die Lohnungleichheit 16,6%, was zwar weniger ist als im privaten Sektor (siehe unten), dafür gab es seit 2012 praktisch keinen Rückgang. Gewisse Lohnunterschiede lassen sich durch strukturelle Faktoren wie Bildungsstand, Anzahl Dienstjahre oder ausgeübte Kaderfunktionen erklären. Aber in dieser Motion ist der Fokus auf die Lohnunterschiede gelegt, die nicht durch solche strukturellen Faktoren erklärt werden können, sondern einzig und allein auf das Geschlecht zurückzuführen sind. Dieser sogenannte unerklärbare Anteil der Lohndifferenz macht rund 40% aus.3

Nimmt man den „Männer-Lohn“ als Basis und „vollen Lohn“ an und geht von den gängigen Zahlen aus, so arbeiten also Frauen im Durchschnitt 2 Monate des Jahres gratis.

Die Lohnstrukturerhebung 2014, die das Bundesamt für Statistik im März 2017 veröffentlicht hat, zeigt, dass der Lohnunterschied zwischen den beiden offiziell anerkannten Geschlechtern im privaten Sektor rund 18% beträgt. Das ist 1.2% weniger als 2012 – wenn wir in diesem Tempo weiterfahren dauert es noch Jahrzehnte bis zur Lohngleichheit, was unerhört ist.

Lohnunterschiede zwischen Männern* und Frauen* basieren auf Geschlechterrollen und Genderstereotypen, die nach wie vor in unserer Gesellschaft verankert sind und unser aller Denken beherrschen. Dies gilt es endlich zu überwinden. Der erste Schritt dazu ist es, diese Unterschiede sichtbar zu machen und zu thematisieren. Der Lohnunterschied ist nämlich nichts anderes als die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche kommt noch viel mehr hervor: 60% der unbezahlten Arbeit wird von Frauen* geleistet. Sie übernehmen nach wie vor den Bärenanteil an unbezahlter Care Arbeit; Frauen* sind nach wie vor in Kaderpositionen untervertreten; Frauen* arbeiten mehr als doppelt so oft zu einem Tieflohn; etc.

Manche werden die hier vorgeschlagene Massnahme lächerlich machen, doch das eigentlich Lächerliche ist, dass noch immer keine Gleichstellung der Geschlechter erreicht wurde. Lasst uns so also einen Beitrag zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels leisten.

Solothurn, 19.3.2019

Erstunterzeichnende: Moira Walter, Laura Gantenbein

 

1 https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/themen/arbeit/lohngleichheit/engagement-des-oeffentlichen-sektors.html
2 https://www.derbund.ch/bern/nachrichten/Ein-Freitag-nur-fuer-die-Frauen/story/10847875
3 https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/loehne-erwerbseinkommen-arbeitskosten/lohnniveau-schweiz/lohnunterschied.html


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