39.jpg

Die SP Stadt Solothurn
macht Politik für die
ganze Bevölkerung.

Für alle statt für wenige!

«Es reicht nicht zu sagen: ‹Wir hätten gerne›» – deshalb ist ein Frauenstreik geplant

moiraDie Solothurnerin Moira Walter hilft mit, den Solothurner Frauenstreik zu organisieren. Ziel ist nicht nur ein einmaliger Streik am 14. Juni, sondern eine richtige Bewegung auch im Kanton. Denn «ungeklärte Frauenfragen» gibt es laut der 23-Jährigen noch einige.

Bei einem Kurzfilm sei es ihr wieder aufgefallen. Moira Walter, 23, hat an den vergangenen Filmtagen einen Kurzfilm über eine Kreuzfahrt gesehen. Was Walter auffiel: Buben waren in Kapitänskostüme gekleidet, Mädchen trugen rosa Kleidchen. «Die Buben dürfen also das Schiff steuern», schliesst Walter trocken. «Und die Mädchen ‹herzig› aussehen.» Walter studiert in Basel Medienwissenschaften und Philosophie. Für die SP sitzt sie im Gemeinderat der Stadt Solothurn. Das Thema Gleichstellung beschäftigt sie schon länger. Aktuell arbeitet sie an der Gründung eines Komitees für den Solothurner Frauenstreik mit.

Schweizweit sollen am 14. Juni Frauen und Männer auf die Strasse gehen und protestieren. 15 Regionalgruppen der Bewegung gibt es bereits. In einigen Städten wie Bern oder Basel gab es schon Treffen. Am 5. Februar soll in Olten nun auch der Startschuss für eine Solothurner Bewegung fallen – so die Hoffnung der Initiantinnen. «Jemand muss den Anfang machen», erklärt die Studentin ihr Engagement. «Und mir ist es persönlich genug wichtig, etwas dafür zu tun.» Die Solothurnerin organisiert das Treffen gemeinsam mit zwei anderen Frauen, die sie zuvor noch nicht kannte. Sie wollen in Olten konkrete Forderungen und die nächsten Schritte für den Streik ausarbeiten.

Forderungen – «ungeklärte Frauenfragen» – nennt Walter einige. Dabei könne sie nicht für alle sprechen, betont sie, sondern lediglich ihre persönliche Sichtweise darlegen. Das tut sie ruhig und überlegt – selten beginnt sie einen Satz neu, um ihre Wortwahl anzupassen. Die Studentin spricht über die Lohngleichheit, Elternurlaub, Rollenbilder in der Gesellschaft. Punkto Lohngleichheit gebe es ein Gesetz, das immer noch nicht eingehalten werde. Elternurlaub gebe es gar nicht – nur einen Tag Vaterschafts- und dann Mutterschaftsurlaub –, was in vielen Fällen schon vorbestimme, wer die Kinderbetreuung übernimmt. Als strukturelles Problem bezeichnet Walter die Gewalt an Frauen. Häusliche Gewalt, bei welcher oft die Männer zuschlagen. «Natürlich gibt es auch Gewalt an Männern», fügt sie an. «Natürlich ist das auch schlimm.» Aber man müsse einsehen, dass auch eine Geschlechterfrage hinter dem Problem stecke.

Kein Kampf gegen «die bösen Männer»

«Wir glauben, dass diese Form von Protest – der Streik – sinnvoll ist», erklärt Walter. Man wolle den Dialog fördern. Und das gelinge am ehesten mit öffentlichem Widerstand. «Es reicht nicht zu sagen: ‹Wir hätten gerne›». Angesprochen auf Unverständnis oder Kritik am Streikprinzip – und am Feminismus generell –, überlegt die Studentin kurz und legt beide Hände auf den Tisch. «Ich glaube, das Problem ist: Viele fühlen sich angegriffen. Viele haben das Gefühl, Feminismus bedeutet, Männer zu unterdrücken. Dabei geht es nicht um den Kampf gegen ‹die bösen Männer›». Je nach Umfeld, je nach Privilegien oder eben Diskriminierung im eigenen Leben schätze man das Thema wohl anders ein. So würde Feminismus oft auch missverstanden.

«Für mich geht es grundsätzlich darum, die Privilegierung einzelner Gruppen abzuschaffen.» Und alle Bevölkerungsgruppen gleichzustellen. «Wir sind alle ein bisschen sexistisch, alle ein bisschen rassistisch. Manche mehr, manche weniger. Und vor allem: Manche absichtlich, manche nicht.» Sie habe inzwischen gelernt, einfach lauter zu sprechen, wenn sie unterbrochen werde. Dafür ertappe sie sich manchmal beim Gedanken: «Kann ich das?» – obwohl dieser völlig unnötig sei.

Bewusstsein stärken und «fairere Gesetze» schaffen

Dass der Streik am 14. Juni stattfinden soll, ist bewusst gewählt. 1991 fand an diesem Tag der grosse Schweizer Frauenstreik statt. 500 000 Frauen gingen auf die Strasse. Für das Oltner Treffen zum Frauenstreik interessieren sich derzeit 70 Personen auf Facebook – über 500 sind es bereits für die Schweizer Streikaktion. Walter verschickt derzeit Einladungen per Mail. Dass diese die Runde machen, merkt sie jeweils dann, wenn sie Anmeldungen von Personen erhält, die sie gar nicht auf dem Verteiler hatte. Auch hat sich der VPOD Aargau/Solothurn – der Verband für das Personal der öffentlichen Dienste beider Kantone – für den Frauenstreik ausgesprochen.

Eingeladen zum Streiken sind alle Geschlechter. «Ich glaube, es hilft allen, wenn wir unsere alten Strukturen überdenken.» Überdenken, oder auch verändern? «Manche Dinge erreichen wir mit Gesetzesänderungen, andere nicht», findet Walter. Es gehe vor allem darum, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. «Wir wollen auch nicht nur einmal streiken gehen – wir hoffen, dass eine Bewegung daraus wird.»

So wie 1991. 1991, als Walter gar noch nicht auf der Welt war. Überwiegt die Freude daran, dass sich nun erneut eine Bewegung bilden könnte – oder der Frust, weil dies heute immer noch Thema ist? Darauf antwortet die Studentin mit einem Slogan: «I can’t believe we still have to protest this shit.» – Ich kann nicht glauben, dass wir dafür immer noch protestieren müssen.

Mehr Infos: www.frauenstreik2019.ch

Quelle: Solothurner Zeitung Online 


Die SP Stadt Solothurn
macht Politik für die
ganze Bevölkerung.

Für alle statt für wenige!